SenseCAP Solar Node P1 Pro: Für mich derzeit einer der interessantesten fertigen MeshCore-Repeater
Wer sich intensiver mit dem Aufbau eines dauerhaften MeshCore-Netzes beschäftigt, landet früher oder später bei einer entscheidenden Frage: Welche Hardware eignet sich wirklich für einen dauerhaft betriebenen Repeater im Außenbereich?
Dabei geht es aus meiner Sicht nicht nur darum, ob sich MeshCore irgendwie auf ein Gerät flashen lässt. Ein Repeater, der dauerhaft auf einem Mast, Dach oder einem anderen erhöhten Standort betrieben werden soll, muss mehrere Anforderungen gleichzeitig erfüllen.
Er sollte wenig Strom benötigen, mit Solar und Akku zuverlässig betrieben werden können, für den Außeneinsatz geeignet sein, eine vernünftige Antennenanbindung besitzen und vor allem mechanisch so aufgebaut sein, dass ich ihn auch bei Wind und Wetter guten Gewissens dauerhaft montieren würde.
Nachdem ich mir in den vergangenen Wochen verschiedene fertige Solar-Nodes und Repeater angesehen habe, ist für mich der Seeed Studio SenseCAP Solar Node P1 Pro derzeit einer der interessantesten Kandidaten.
Ich schreibe bewusst „einer der interessantesten“ und nicht „der beste Repeater“. Ich habe den P1 Pro selbst noch nicht über einen längeren Zeitraum im realen MeshCore-Betrieb getestet. Meine Einschätzung basiert momentan auf den technischen Daten, der Dokumentation, dem mechanischen Aufbau und dem Vergleich mit anderen verfügbaren Lösungen.
Genau deshalb soll der P1 Pro auch in die nähere Auswahl für einen späteren Praxistest bei MeshCore Hessen kommen.
Was steckt im P1 Pro?
Seeed Studio setzt beim SenseCAP Solar Node P1 Pro auf eine Kombination, die für einen solarbetriebenen Repeater grundsätzlich sehr interessant ist.
Als Hauptcontroller kommt ein Seeed Studio XIAO nRF52840 Plus zum Einsatz. Dazu kommt das Wio-SX1262 LoRa-Modul mit einem Semtech SX1262 als Funkchip. Beim P1-Pro ist zusätzlich ein XIAO-L76K-GNSS-Modul integriert.
Gerade der nRF52840 ist für mich dabei ein wichtiger Punkt.
Für einen Repeater, der rund um die Uhr laufen und möglichst lange aus Akku und Solar versorgt werden soll, ist der Stromverbrauch wesentlich wichtiger als bei einem Gerät, das ohnehin ständig an USB hängt. Deshalb sind nRF52-basierte Plattformen für solche Anwendungen aus meiner Sicht deutlich interessanter als stromhungrigere Lösungen.
Das LoRa-Modul basiert auf dem SX1262, einem modernen und weit verbreiteten LoRa-Transceiver. Seeed gibt für das Wio-SX1262 eine maximale Hardware-Sendeleistung von bis zu 22 dBm im Bereich 862 bis 930 MHz an. Welche Leistung tatsächlich verwendet werden darf und sinnvoll ist, richtet sich natürlich nach Region, Firmwarekonfiguration, Antenne und den gesetzlichen Vorgaben.
5-W-Solarpanel und vier 18650-Akkus
Der zweite große Punkt ist die Stromversorgung.
Der P1 Pro besitzt ein integriertes 5-W-Solarpanel. In der Pro-Version sind außerdem bereits vier 18650-Zellen mit jeweils 3350 mAh verbaut. Rechnerisch ergibt das eine nominelle Gesamtkapazität von 13.400 mAh bei entsprechender Parallelschaltung beziehungsweise interner Systemauslegung. Als Ladecontroller setzt Seeed einen CN3165 ein.

Bild: Seeed Studio, CC BY-SA 4.0
Für mich ist diese Dimensionierung wesentlich interessanter als viele kleine Solarlösungen, bei denen lediglich ein kleines Panel und ein oder zwei Akkus verbaut sind.
Gerade in Deutschland muss ein Solar-Repeater nicht nur einen schönen Sommertag überstehen. Interessant wird es im Herbst und Winter, wenn die Tage kurz sind, das Panel möglicherweise nicht optimal ausgerichtet werden kann und über längere Zeit nur wenig Solarertrag vorhanden ist.
Seeed selbst bewirbt den P1 Pro mit einem längeren autarken Betrieb auch bei schwachem beziehungsweise ausbleibendem Solarertrag. Solche Herstellerangaben würde ich aber grundsätzlich nicht einfach übernehmen.
Genau das gehört für mich in einen realen Langzeittest.
Wie verhält sich der P1 Pro nach mehreren grauen Wintertagen? Wie schnell wird der Akku wieder geladen? Wie stark schwankt die Spannung? Und wie zuverlässig läuft MeshCore über Wochen und Monate ohne manuelles Eingreifen?
Das sind für mich wesentlich interessantere Fragen als die reine Kapazitätsangabe im Datenblatt.
Die Halterung ist für mich ein entscheidender Unterschied
Ein Punkt wird bei vielen Produktvorstellungen meiner Meinung nach viel zu wenig beachtet: Wie wird das Gerät eigentlich dauerhaft befestigt?
Ein Solar-Repeater besteht nicht nur aus einer kleinen Platine. Ein Solarpanel bietet dem Wind eine relativ große Angriffsfläche. Wird eine solche Einheit weit oben an einem Mast montiert, können bei starken Böen und Stürmen erhebliche Kräfte auf Halterung und Befestigung wirken. Genau hier hatte ich bei anderen Solar-Nodes teilweise erhebliche Bedenken.
Eine Lösung mit nur einem einzelnen Haltearm oder einem zentralen Befestigungspunkt mag für eine temporäre Installation funktionieren. Für einen dauerhaften Standort in größerer Höhe möchte ich persönlich aber eine Konstruktion sehen, die sich nicht einfach um eine einzelne Achse verdrehen kann.
Beim P1 Pro wirkt die Mastbefestigung deutlich durchdachter. Seeed liefert eine mehrteilige Halterung mit Mastklemme beziehungsweise Haltering und einem verstellbaren Gelenk mit. Die offizielle Dokumentation beschreibt ausdrücklich die Mastmontage und die anschließende Ausrichtung der Einheit.
Für mich ist das kein nebensächliches Zubehör, sondern ein wichtiger Teil des gesamten Systems. Ein Repeater kann technisch hervorragend sein – wenn ich seiner Befestigung bei einem Herbststurm nicht vertraue, hilft mir die beste Elektronik nichts.
Der P1 Pro ist inzwischen für MeshCore vorgesehen
Besonders interessant ist, dass der P1 Pro mittlerweile nicht mehr nur irgendein Meshtastic-Gerät ist, auf das die Community zufällig MeshCore bekommen hat.
Der offizielle MeshCore-Auftritt führt den SenseCAP Solar Node P1 Pro mittlerweile direkt unter den Repeater Nodes auf.
Auch Seeed Studio hat inzwischen eine eigene ausführliche Anleitung veröffentlicht, wie der SenseCAP Solar Node mit MeshCore betrieben wird. Im MeshCore Web Flasher lässt sich „Seeed Studio SenseCAP Solar“ auswählen und anschließend direkt die Repeater-Firmware installieren. Danach kann der Repeater über die MeshCore-Konfigurationsoberfläche eingerichtet werden.
Das ist für mich ein großer Vorteil.
Ich möchte auf MeshCore Hessen möglichst keine Hardware als Repeater empfehlen, bei der man erst irgendwelche inoffiziellen Builds zusammensuchen oder hoffen muss, dass eine fremde Firmware halbwegs funktioniert.
Wenn Hersteller und MeshCore das Gerät explizit dokumentieren, ist das für einen dauerhaft eingesetzten Repeater eine wesentlich bessere Ausgangsbasis.
EU868 ist direkt vorgesehen
Für Deutschland ist natürlich auch die passende Funkkonfiguration entscheidend. In der offiziellen Seeed-MeshCore-Anleitung ist EU_868 direkt als Region vorgesehen. Dort wird für das entsprechende MeshCore-Preset der Bereich 869,4 bis 869,65 MHz mit den zugehörigen Vorgaben aufgeführt.
Das bedeutet nicht, dass man beim Aufbau eines Repeaters nicht mehr auf Antennengewinn, tatsächliche Sendeleistung und die jeweils geltenden regulatorischen Bedingungen achten muss. Aber es ist wichtig, dass wir nicht mit irgendwelchen US915-Geräten oder improvisierten Einstellungen arbeiten müssen, sondern eine ausdrücklich vorgesehene EU-Konfiguration vorhanden ist.
Externe Antenne statt fest verbauter Kompromisslösung
Für einen ernsthaften Repeater ist für mich außerdem ein externer Antennenanschluss wichtig. Der P1 Pro wird mit einer externen LoRa-Antenne ausgeliefert. Dadurch bleibt grundsätzlich die Möglichkeit, später eine für den Standort passende Außenantenne einzusetzen.

Bild: Seeed Studio, CC BY-SA 4.0
Gerade bei einem Repeater kann eine sinnvoll montierte Antenne wesentlich wichtiger sein als die Frage, ob ein Funkchip theoretisch noch ein paar dBm mehr leisten könnte.
Je nach Standort kann beispielsweise eine vernünftig montierte Fiberglasantenne mit möglichst kurzem und verlustarmem Koaxialweg die bessere Lösung sein.
Auch hier gilt aber: Eine andere Antenne muss nicht automatisch besser sein. Antennengewinn, Kabelverluste, Montagehöhe und die zulässige Gesamtleistung müssen zusammen betrachtet werden.
IPX6 ist gut – aber keine Einladung, das Gerät beliebig zu montieren
Seeed gibt für den Solar Node IPX6 an. Damit ist das System für den Außeneinsatz und starken Wasserstrahl ausgelegt, allerdings ist IPX6 nicht dasselbe wie vollständige dauerhafte Unterwasserfestigkeit.
Für einen Repeater am Mast ist das aus meiner Sicht zunächst eine vernünftige Ausgangslage. Trotzdem würde ich auch bei einem fertigen Gerät auf die üblichen Dinge achten: Kabel müssen so geführt werden, dass kein Wasser entlang der Leitung in Anschlüsse läuft, Antennenanschlüsse müssen vernünftig abgedichtet sein und das Gerät sollte so montiert werden, wie es vom Hersteller vorgesehen ist.
„Outdoor-Gerät“ bedeutet nicht, dass man bei der Installation nicht mehr nachdenken muss.
Auch fertige Hardware hat Nachteile
Bei aller positiven Einschätzung möchte ich den P1 Pro nicht schönreden.
Ein fertiges System ist zwangsläufig weniger flexibel als ein komplett selbst aufgebauter Repeater. Wenn ich einen eigenen Repeater auf Basis eines XIAO nRF52840 oder RAK4631 baue, kann ich Gehäuse, Solarpanel, Akkukapazität, Ladeelektronik, Antennenanschluss und Mastbefestigung exakt für den jeweiligen Standort auswählen.
Beim P1 Pro bekomme ich dagegen ein fertiges Gesamtsystem. Das ist bequem und spart viel Arbeit, bedeutet aber auch, dass ich mich weitgehend auf die Dimensionierung und Konstruktion von Seeed verlasse. Außerdem ist der P1 Pro größer und teurer als ein einfacher Selbstbau.
Das ist für mich aber kein Argument gegen das Gerät. Es sind schlicht zwei unterschiedliche Ansätze.
Fertig kaufen oder selbst bauen?
Genau diese beiden Wege möchte ich bei MeshCore Hessen bewusst nebeneinander betrachten. Nicht jeder möchte Platinen löten, Ladeelektronik auswählen, 18650-Zellen verschalten, Gehäuse konstruieren und anschließend eine Mastbefestigung entwickeln. Für solche Nutzer ist ein System interessant, das weitgehend fertig geliefert wird, MeshCore offiziell unterstützt und anschließend nur noch konfiguriert und installiert werden muss.
Auf der anderen Seite gehört für mich die technische und DIY-Seite ausdrücklich zu MeshCore dazu.
Ich beschäftige mich selbst gerne mit der Hardware und möchte weiterhin eigene Nodes und Repeater bauen. Gerade bei einem Selbstbau kann man sehr viel darüber lernen, wie Stromversorgung, LoRa-Funk, Antennen und Solar zusammenarbeiten.
Deshalb würde ich einen P1 Pro auch nicht als Ersatz für eigene Repeater betrachten.
Im Gegenteil: Er wäre eine sehr interessante Referenz.
Ein fertiger P1 Pro könnte im gleichen Netz neben einem selbstgebauten XIAO-nRF52840- oder RAK-basierten Solar-Repeater laufen.
Dann lässt sich irgendwann tatsächlich vergleichen:
- Wie zuverlässig laufen beide Systeme?
- Wie verhalten sie sich im Winter?
- Wie aufwendig war die Installation?
- Wie gut ist die jeweilige Mastbefestigung?
- Wie leicht lassen sich Akkus oder andere Komponenten warten?
- Wie unterscheiden sich Kosten und Arbeitsaufwand?
Genau solche Vergleiche finde ich wesentlich interessanter als reine Datenblattvergleiche.
Ist der P1 Pro aktuell der beste fertige MeshCore-Repeater?
Nach dem, was ich bislang aus den verfügbaren Produktbeschreibungen und technischen Dokumentationen herauslesen kann, halte ich den SenseCAP Solar Node P1 Pro derzeit für einen der stärksten Kandidaten – möglicherweise sogar den derzeit besten fertigen Solar-Repeater für MeshCore, wenn man ein komplettes System für einen dauerhaften Außenstandort sucht.
Das ist ausdrücklich meine derzeitige Einschätzung und noch kein abschließendes Testergebnis.
Für mich sprechen momentan vor allem fünf Punkte für ihn:
- die stromsparende Kombination aus nRF52840 und SX1262
- das 5-W-Solarpanel mit vier 18650-Akkus
- die deutlich ernstzunehmendere Mastbefestigung
- die fertige Outdoor-Konstruktion
- und vor allem die inzwischen sehr klare offizielle MeshCore-Unterstützung
MeshCore selbst führt den P1 Pro als Repeater Node, und Seeed stellt mittlerweile eine eigene MeshCore-Anleitung für Flashen, Konfiguration und Betrieb bereit.
Das sind für mich wesentlich überzeugendere Argumente als eine beeindruckende Reichweitenangabe auf einer Shopseite.
Was noch fehlt: der reale Test
Am Ende bleiben Produktbeschreibung und Dokumentation aber genau das: Produktbeschreibung und Dokumentation. Ob der P1 Pro meine aktuelle Einschätzung tatsächlich bestätigt, kann nur ein längerer Praxistest zeigen.
Deshalb kommt das Gerät für MeshCore Hessen in die nähere Auswahl für reale Tests.
Besonders interessieren würden mich dabei:
- der tatsächliche Solarertrag unter hessischen Bedingungen,
- das Verhalten über längere Schlechtwetterperioden,
- die Zuverlässigkeit der MeshCore-Firmware,
- die mechanische Stabilität der Halterung,
- die Wartungsfreundlichkeit,
- das Verhalten mit einer geeigneten externen Antenne
und natürlich die tatsächliche Funkabdeckung an einem erhöhten Standort.
Erst danach würde ich aus einem „sieht auf dem Papier sehr überzeugend aus“ ein „kann ich aus eigener Erfahrung empfehlen“ machen.
Bis dahin bleibt mein vorläufiges Fazit:
Wenn ich heute anhand der verfügbaren technischen Daten einen fertigen, solarbetriebenen MeshCore-Repeater für einen dauerhaften Außenstandort auswählen müsste, wäre der SenseCAP Solar Node P1 Pro derzeit ganz oben auf meiner Liste.
