Seeed Wio Tracker L2 Pro: Neues LoRa-Handgerät mit Touchscreen – auch für MeshCore interessant?
Beim Stöbern auf der Website von Seeed Studio bin ich auf ein interessantes Gerät gestoßen: den Wio Tracker L2 Pro. Das kompakte LoRa-Handgerät verfügt über einen 3,2-Zoll-Touchscreen, einen integrierten Akku, Satellitenpositionierung und die Möglichkeit, Nachrichten direkt am Gerät zu schreiben. Offiziell wird es für Meshtastic angeboten. Doch auch für MeshCore könnte es interessant werden, denn im MeshCore-Projekt wird bereits an einer entsprechenden Unterstützung gearbeitet.
Besonders spannend finde ich das Konzept, weil der Wio Tracker L2 Pro nicht nur aus einer kleinen Platine besteht, die per Bluetooth mit einem Smartphone verbunden werden muss. Stattdessen handelt es sich um ein eigenständig bedienbares Gerät mit Bildschirm, Antenne und Akku. Damit könnte es eine interessante Alternative für Menschen werden, die ihre Nachrichten lieber direkt auf einem Gerät schreiben und lesen möchten.
Was ist der Wio Tracker L2 Pro?
Der Wio Tracker L2 Pro (Affiliate Link) stammt von Seeed Studio, einem Hersteller, der unter anderem Entwicklungsplatinen, LoRa-Hardware und verschiedene Geräte für Funk- und IoT-Anwendungen anbietet. Das neue Modell ist als tragbares Kommunikationsgerät für Meshtastic ausgelegt und kombiniert die erforderliche Funktechnik mit einer eigenen Benutzeroberfläche.
Das auffälligste Merkmal ist der 3,2 Zoll große Touchscreen mit einer Auflösung von 320 × 240 Pixeln. Darüber lassen sich bei der vorgesehenen Meshtastic-Firmware Nachrichten verfassen, Kontakte beziehungsweise Netzwerkteilnehmer anzeigen und verschiedene Einstellungen vornehmen. Ein dauerhaft verbundenes Smartphone ist für diese Bedienung nicht erforderlich. Zusätzlich unterstützt die Meshtastic-Oberfläche die Darstellung vorbereiteter Offline-Karten, sodass sich das Gerät auch für unterwegs anbietet.
Die Bauform erinnert an einen kleinen, tragbaren Messenger. Eine klappbare Antenne, der integrierte Akku und die Möglichkeit zur Befestigung über ein 1/4-Zoll-Gewinde sollen den mobilen Einsatz erleichtern.
Die Technik im Überblick
Im Inneren arbeitet das Wio-S3-Modul, das einen ESP32-S3-Mikrocontroller mit einem SX1262-LoRa-Funkchip kombiniert. Der ESP32-S3 übernimmt die Verarbeitung und Bedienung, während der SX1262 die eigentliche Funkkommunikation ermöglicht. Ergänzt wird die Hardware durch einen GNSS-Empfänger, WLAN, Bluetooth Low Energy und einen Steckplatz für microSD-Karten.
Laut der offiziellen Dokumentation von Seeed Studio verfügt der Wio Tracker L2 Pro über folgende Eigenschaften:
- Prozessor: Wio-S3 mit ESP32-S3
- LoRa-Funkchip: Semtech SX1262
- Frequenzbereich der Hardware: 863–928 MHz
- Maximale angegebene Sendeleistung für EU868: 14 dBm
- Display: 3,2 Zoll, IPS-Touchscreen, 240 × 320 Pixel
- Speicher: 16 MB Flash und 8 MB PSRAM
- Satellitenpositionierung: L76K mit GPS, BeiDou, GLONASS und QZSS
- Drahtlose Schnittstellen: WLAN und Bluetooth Low Energy 5.0
- Akku: Wiederaufladbarer Lithium-Ionen-Akku mit 3.000 mAh
- Anschlüsse: USB-C, microSD und Grove-Erweiterungsanschluss
- Weitere Ausstattung: Lautsprecher, Bedientasten, Ein-/Ausschalter und klappbare Antenne
Seeed nennt außerdem einen Anschluss für eine externe Solarstromversorgung. Ob und in welchem Umfang sich diese Möglichkeit für einen dauerhaften praktischen Einsatz eignet, hängt allerdings von der konkreten Stromaufnahme und der vorgesehenen Betriebsweise ab.
Der von Seeed angegebene Funkfrequenzbereich beschreibt zunächst die technischen Möglichkeiten der Hardware. Für den Betrieb in Deutschland müssen die jeweils geltenden Frequenzvorgaben sowie passende Einstellungen eingehalten werden.
Nachrichten schreiben, ohne ständig das Smartphone zu benötigen
Viele MeshCore-Nutzer kennen das übliche Prinzip: Ein kleines LoRa-Gerät übernimmt die Funkkommunikation, während das Smartphone über Bluetooth als Bedienoberfläche dient. Das funktioniert gut, setzt allerdings voraus, dass das Smartphone zur Bedienung verfügbar ist.
Geräte mit eigenem Display verfolgen einen anderen Ansatz. Nachrichten können unmittelbar eingegeben und empfangen werden, ohne für jede Interaktion zum Smartphone greifen zu müssen. Für den Wio Tracker L2 Pro ist genau diese Form der Bedienung mit Meshtastic vorgesehen.
Ich finde diesen Ansatz besonders interessant, weil ein eigenständiges Gerät auch für Menschen attraktiv sein könnte, die sich nicht intensiv mit Entwicklungsplatinen und selbst zusammengestellter Hardware beschäftigen möchten. Statt aus mehreren Bauteilen ein Gehäuse mit Bildschirm und Stromversorgung aufzubauen, erhält man ein weitgehend fertiges Handgerät.
Allerdings gilt diese Bedienmöglichkeit zunächst für die offiziell vorgesehene Meshtastic-Software. Ob eine spätere MeshCore-Firmware denselben Funktionsumfang bietet, muss sich erst zeigen.
Offline-Karten und Positionsbestimmung
Eine weitere Besonderheit ist der integrierte L76K-GNSS-Empfänger. Dieser kann Positionsdaten über verschiedene Satellitennavigationssysteme ermitteln. In Verbindung mit dem Bildschirm lassen sich damit beispielsweise die eigene Position und vorbereitete Kartendaten anzeigen.
Seeed Studio bewirbt ausdrücklich die Möglichkeit, Offline-Karten über eine microSD-Karte zu verwenden. Die dafür benötigten Karten müssen zuvor bereitgestellt werden. Für die eigentliche Positionsbestimmung über GNSS ist keine Mobilfunk- oder Internetverbindung erforderlich.
Das macht das Gerät beispielsweise für Wanderungen, Ausflüge und andere Aktivitäten außerhalb einer zuverlässigen Mobilfunkversorgung interessant. Wichtig ist jedoch auch hier die Unterscheidung zwischen Meshtastic und MeshCore: Nur weil die Hardware über einen GNSS-Empfänger und ein Display verfügt, bedeutet das nicht automatisch, dass sämtliche Funktionen unter beiden Systemen bereits unterstützt werden.
Und was ist mit MeshCore?
Das ist für mich natürlich die interessanteste Frage. Der Wio Tracker L2 Pro wird von Seeed ausdrücklich als Meshtastic-Gerät vermarktet. Meshtastic und MeshCore verwenden zwar beide LoRa-Technik, sind aber unterschiedliche Systeme mit eigenen Kommunikationsprotokollen und Firmwareprojekten. Ein Meshtastic-Gerät kann deshalb nicht automatisch mit einem MeshCore-Netz kommunizieren.
Die Hardware bietet allerdings grundsätzlich interessante Voraussetzungen für eine entsprechende Anpassung. Sowohl der ESP32-S3 als auch der SX1262 sind Komponenten, die sich für entsprechende Open-Source-Funkprojekte eignen.
Noch interessanter ist, dass im offiziellen GitHub-Projekt von MeshCore bereits Entwicklungsarbeiten für den Wio Tracker L2 Pro zu finden sind. Unter anderem existieren zwei relevante Beiträge:
- Pull Request #3381: „Add Seeed Wio Tracker L2 Pro variant“ – vorgesehen zur Unterstützung der Hardwarevariante.
- Pull Request #3529: „Add ui-lvgl, a standalone touch UI for the Wio Tracker L2 Pro“ – zur Entwicklung einer eigenständigen Touchscreen-Oberfläche.
Damit wird deutlich, dass sich Entwickler bereits konkret mit dem Gerät beschäftigen. Insbesondere die Arbeiten an einer eigenen Bedienoberfläche sind interessant, weil der Touchscreen schließlich eines der wichtigsten Merkmale des Wio Tracker L2 Pro ist.
Trotzdem ist eine wichtige Einschränkung notwendig: Ein Entwicklungsbeitrag auf GitHub ist noch keine Bestätigung, dass eine vollständig getestete, allgemein verfügbare und offiziell freigegebene MeshCore-Firmware existiert. Zum Zeitpunkt dieser Betrachtung kann ich deshalb noch keine uneingeschränkte MeshCore-Kompatibilität bestätigen.
Wer den Wio Tracker L2 Pro ausschließlich für MeshCore kaufen möchte, sollte zunächst abwarten, bis eine passende Firmware veröffentlicht und ihre Funktionsfähigkeit dokumentiert ist.
Wie interessant wäre das Gerät für MeshCore?
Sollte die Unterstützung erfolgreich umgesetzt werden, könnte der Wio Tracker L2 Pro eine interessante Ergänzung zu den bislang verwendeten Geräten darstellen. Besonders die Kombination aus eigenständiger Bedienung, LoRa-Funk, integriertem Akku und GNSS-Empfänger macht ihn für den mobilen Einsatz attraktiv.
Ein denkbarer Anwendungsfall wäre beispielsweise ein MeshCore-Teilnehmer, der unterwegs Nachrichten direkt über das Gerät schreiben und empfangen möchte, ohne dafür ständig eine Smartphone-App öffnen zu müssen. Auch für gemeinsame Funkversuche, die Untersuchung regionaler Verbindungen oder Veranstaltungen könnte ein solches Handgerät praktisch sein.
Dabei sollte man die Hardware jedoch nicht mit einem klassischen, besonders stromsparenden Node oder Repeater gleichsetzen. Ein ESP32-S3 mit großem Farbdisplay besitzt andere Anforderungen an die Energieversorgung als kleine, auf minimalen Verbrauch ausgelegte Funkplatinen. Für den mobilen Alltag mag das durchaus sinnvoll sein, für einen dauerhaft betriebenen Solar-Repeater wäre dagegen eine gesonderte Betrachtung notwendig.
Vor allem aber bleibt abzuwarten, welche Funktionen eine mögliche MeshCore-Firmware tatsächlich unterstützt. Ein Bildschirm allein garantiert schließlich noch keine komfortable, vollständig integrierte Bedienoberfläche.
Preis und Verfügbarkeit
Zum Zeitpunkt meiner Recherche am 18. Oktober 2026 wird der Wio Tracker L2 Pro bereits im offiziellen Onlineshop von Seeed Studio angeboten. Auf der von mir aufgerufenen Produktseite lag der angezeigte Angebotspreis bei 53,09 Euro, während der reguläre Preis mit 62,99 Euro angegeben wurde.
Dabei ist zu berücksichtigen, dass Versandkosten und mögliche weitere Abgaben abhängig von der Bestellung hinzukommen können. Preise, Angebote und Verfügbarkeit können sich außerdem jederzeit ändern.
Das Gerät trägt die Seeed-Artikelnummer 100029766.
Wio Tracker L2 Pro – offizielle Produktseite bei Seeed Studio (Affiliate Link)
Mein erster Eindruck
Auf den ersten Blick finde ich den Wio Tracker L2 Pro ausgesprochen interessant. Besonders die Kombination aus einem kompakten Gehäuse, eigenständigem Touchscreen und der bereits integrierten Funktechnik könnte für viele Nutzer attraktiv sein. Nicht jeder möchte ein Gerät aus einzelnen Platinen, Akkus, Antennen und einem selbst gedruckten Gehäuse zusammenstellen.
Für MeshCore ist vor allem erfreulich, dass sich bereits Entwickler mit einer Anpassung beschäftigen. Das lässt zumindest hoffen, dass künftig auch eine entsprechende Firmware und eine komfortable Bedienoberfläche verfügbar sein könnten.
Einen eigenen Praxistest habe ich bislang nicht durchgeführt. Meine Einschätzung basiert auf den veröffentlichten Herstellerinformationen und den bislang erkennbaren Entwicklungsarbeiten im MeshCore-Projekt. Über Funkreichweite, Akkulaufzeit, Bedienbarkeit und Zuverlässigkeit im MeshCore-Betrieb kann ich deshalb noch keine eigenen Erfahrungen wiedergeben.
Der Wio Tracker L2 Pro könnte ein spannendes MeshCore-Handgerät werden. Ob er dieses Potenzial tatsächlich erfüllt, werden erst die weitere Firmwareentwicklung und praktische Tests zeigen.
Wer sich über MeshCore in Hessen austauschen möchte, ist herzlich eingeladen, der MeshCore Hessen Telegram-Gruppe beizutreten.

