SenseCAP MeshTracker X1: Neuer LoRa-Tracker mit LR2021 und offizieller MeshCore-Unterstützung

Mit dem SenseCAP MeshTracker X1 hat Seeed Studio einen neuen kompakten LoRa-Tracker vorgestellt, der besonders für den mobilen Einsatz interessant ist. Das Gerät kombiniert einen stromsparenden Nordic-nRF52840-Mikrocontroller, den neuen Semtech-LR2021-Funkchip, präzise Satellitenpositionierung und ein wettergeschütztes Gehäuse. Ursprünglich für Meshtastic entwickelt, lässt sich der Tracker inzwischen auch mit MeshCore nutzen.

Bei meiner Suche nach interessanter Hardware für MeshCore Hessen bin ich auf den SenseCAP MeshTracker X1 gestoßen. Auf den ersten Blick erinnert das Gerät an den bereits bekannten SenseCAP T1000-E. Beide verfolgen ein ähnliches Konzept: möglichst kompakte Funkhardware, die sich bequem mitnehmen lässt und über ein Smartphone bedient wird. Beim X1 hat Seeed allerdings einige wesentliche Änderungen vorgenommen, insbesondere beim Funkchip, der Positionsbestimmung und der Stromversorgung.

Was das Gerät für mich besonders interessant macht, ist die bereits vorhandene MeshCore-Unterstützung. Seeed hat eine eigene Anleitung veröffentlicht, in der beschrieben wird, wie sich der MeshTracker X1 mit MeshCore-Firmware einrichten und anschließend über Bluetooth mit einem Smartphone verbinden lässt. Damit handelt es sich nicht nur um eine theoretisch kompatible Hardwareplattform, sondern um ein Gerät, für das bereits eine konkrete MeshCore-Lösung dokumentiert ist.

Kompakt, leicht und für unterwegs entwickelt

Mit Abmessungen von 90 × 57 × 8 Millimetern ist der MeshTracker X1 ungefähr so groß wie eine etwas dickere Karte. Das Gewicht beträgt laut Hersteller lediglich 45 Gramm. Dadurch lässt er sich beispielsweise in einer Jackentasche transportieren oder an einem Rucksack befestigen, ohne besonders viel Platz zu benötigen.

Das Gehäuse besitzt die Schutzklasse IP66 und ist damit staubdicht sowie gegen starkes Strahlwasser geschützt. Für den mobilen Außeneinsatz ist das ein deutlicher Vorteil gegenüber offenen Entwicklungsplatinen, bei denen Gehäuse, Abdichtung und Stromversorgung erst selbst zusammengestellt werden müssen. Eine Freigabe für dauerhaftes Untertauchen bedeutet IP66 allerdings nicht.

Auf ein eigenes Display verzichtet Seeed bewusst. Stattdessen erfolgt die Bedienung über eine Smartphone-App und eine Bluetooth-Verbindung. Eine zentrale Taste, eine mehrfarbige Status-LED, ein Summer und ein Vibrationsmotor ermöglichen grundlegende Bedienfunktionen und Rückmeldungen direkt am Gerät. So können beispielsweise eingehende Nachrichten signalisiert werden, ohne dass der Tracker selbst über einen Bildschirm verfügen muss.

Neue Funktechnik mit dem Semtech LR2021

Die wohl interessanteste technische Neuerung steckt im Inneren des Geräts. Während viele bisherige MeshCore-Nodes auf dem weitverbreiteten SX1262 basieren, verwendet Seeed beim MeshTracker X1 den neueren Semtech LR2021. Dieser Funkchip unterstützt klassische LoRa-Kommunikation und zusätzliche Modulationsverfahren, darunter FLRC.

Laut Hersteller erreicht der LR2021 unter entsprechenden Betriebsbedingungen eine Empfangsempfindlichkeit von bis zu −141 dBm. Im FLRC-Modus sind theoretisch Datenraten von bis zu 2,6 Mbit/s möglich. Diese Werte zeigen, welche technischen Möglichkeiten der Chip grundsätzlich bietet. Sie bedeuten allerdings nicht, dass MeshCore plötzlich Nachrichten mit mehreren Megabit pro Sekunde übertragen kann.

MeshCore arbeitet mit bestimmten Funkparametern und Protokollvorgaben, damit die Geräte innerhalb eines Netzes miteinander kommunizieren können. Höhere Datenraten oder andere Modulationsarten lassen sich deshalb nicht einfach beliebig aktivieren, ohne die Kompatibilität zum bestehenden Netz zu berücksichtigen.

Trotzdem ist der LR2021 eine interessante Weiterentwicklung. Insbesondere für zukünftige Anwendungen könnte die zusätzliche Flexibilität des Funkchips neue Möglichkeiten eröffnen. Welche davon tatsächlich in MeshCore genutzt werden, hängt jedoch von der weiteren Softwareentwicklung ab.

Dualband-GNSS für genauere Positionsbestimmung

Ein weiterer Unterschied zu vielen bisherigen LoRa-Trackern ist die integrierte Dualband-Satellitenpositionierung. Der MeshTracker X1 unterstützt die GNSS-Frequenzbänder L1 und L5. Die Auswertung mehrerer Frequenzbänder kann dabei helfen, bestimmte Messfehler zu reduzieren und unter geeigneten Empfangsbedingungen eine zuverlässigere Positionsbestimmung zu ermöglichen.

Gerade bei mobilen MeshCore-Nodes kann eine solche Funktion interessant sein. Wer beispielsweise unterwegs Funkverbindungen testet, möchte möglicherweise nachvollziehen, von welchen Standorten aus bestimmte Repeater erreichbar sind. Auch für gemeinsame Outdoor-Aktivitäten oder die freiwillige Übermittlung der eigenen Position kann ein integrierter GNSS-Empfänger sinnvoll sein.

Zusätzlich verfügt der MeshTracker X1 über einen Luftdrucksensor, mit dem sich Umgebungsdruck und daraus abgeleitete Höheninformationen erfassen lassen. Ob und in welchem Umfang diese Sensordaten innerhalb der verwendeten MeshCore-Firmware verfügbar sind, muss allerdings gesondert betrachtet werden.

Wichtig ist außerdem, dass die Positionsübertragung bewusst eingerichtet werden sollte. Nicht jede Anwendung erfordert es, den eigenen Standort regelmäßig über Funk bekanntzugeben. Gerade bei öffentlich erreichbaren Netzen sollte man sorgfältig entscheiden, welche Informationen andere Teilnehmer erhalten.

nRF52840 und ein größerer Akku

Als Hauptprozessor verwendet Seeed den Nordic nRF52840. Dieser Mikrocontroller ist in der Welt stromsparender Funkgeräte bereits weit verbreitet und wird auch bei verschiedenen MeshCore-kompatiblen Hardwareplattformen eingesetzt. Eine Stärke des nRF52840 liegt darin, dass er sich für energieeffiziente Anwendungen eignet und Bluetooth Low Energy unterstützt.

Der integrierte Akku des MeshTracker X1 besitzt laut Hersteller eine Kapazität von 1.100 mAh. Seeed nennt eine mögliche Laufzeit von bis zu fünf Tagen. Dabei handelt es sich allerdings um eine Herstellerangabe, die von den jeweiligen Betriebsbedingungen abhängt. Häufige Positionsbestimmungen, regelmäßige Funkübertragungen und unterschiedliche Konfigurationen können die tatsächliche Laufzeit beeinflussen.

Geladen wird über einen USB-C-Anschluss. Gerade im Vergleich zu Geräten mit proprietären oder magnetischen Ladeanschlüssen ist das im Alltag praktisch, weil entsprechende USB-C-Kabel weit verbreitet sind.

Für die Stromversorgung verwendet Seeed einen speziellen wiederaufladbaren Hochvolt-Lithium-Akku. Deshalb sollte man bei einem möglichen späteren Akkutausch keinesfalls davon ausgehen, dass sich jeder gewöhnliche 3,7-Volt-LiPo-Akku ohne Weiteres einsetzen lässt.

Die technischen Daten im Überblick

Die wichtigsten Angaben aus der offiziellen Seeed-Dokumentation:

Eigenschaft SenseCAP MeshTracker X1
Mikrocontroller Nordic nRF52840
LoRa-Funkchip Semtech LR2021
Hardware-Frequenzbereich 863–928 MHz
Maximale angegebene Sendeleistung 22 dBm
Bluetooth Bluetooth 5.0
Satellitenpositionierung Dualband-GNSS L1 + L5
Akku 1.100 mAh
Hersteller-Laufzeitangabe Bis zu 5 Tage
Ladeanschluss USB-C
Schutzklasse IP66
Abmessungen 90 × 57 × 8 mm
Gewicht 45 g
Weitere Ausstattung Luftdrucksensor, RGB-LED, Summer, Vibrationsmotor, Taste

Die angegebene maximale Sendeleistung ist eine Hardwareeigenschaft und keine pauschale Freigabe für den Betrieb mit dieser Leistung in Deutschland. Hier müssen die geltenden europäischen beziehungsweise deutschen Frequenzvorgaben und die passenden Einstellungen der Firmware berücksichtigt werden.

Auch bei der Funkreichweite sollte man Herstellerangaben nicht mit einer garantierten Netzabdeckung verwechseln. Seeed berichtet von Tests mit bis zu acht Kilometern bei freier Sicht und einer Frequenz von 915 MHz. Daraus lässt sich jedoch keine entsprechende Reichweite für einen konkreten Standort in Hessen oder die hier verwendeten Funkparameter ableiten.

MeshCore wird bereits offiziell dokumentiert

Für mich ist das der entscheidende Punkt: Seeed Studio hat eine eigene Anleitung zur Einrichtung des SenseCAP MeshTracker X1 mit MeshCore veröffentlicht. Darin wird die Verwendung einer entsprechenden Firmware ebenso behandelt wie die Verbindung mit der Smartphone-App und die anschließende Konfiguration der Funkparameter.

Damit unterscheidet sich der X1 von Geräten, bei denen zwar geeignete Hardware verbaut ist, aber noch keine dokumentierte MeshCore-Unterstützung existiert. Bei solchen Geräten kann es vorkommen, dass zunächst Anpassungen an der Firmware notwendig sind oder einzelne Funktionen nicht zur Verfügung stehen.

Beim MeshTracker X1 ist der Einstieg deutlich konkreter beschrieben. Nach der Installation der passenden Firmware lässt sich das Gerät als Bluetooth-Companion verwenden. Das bedeutet, dass der Tracker die Funkkommunikation übernimmt, während das Smartphone zur Bedienung und zum Schreiben beziehungsweise Lesen von Nachrichten dient.

Allerdings ist auch hier zu beachten, dass sich die MeshCore-Firmware ständig weiterentwickelt. Nicht jede ursprünglich für Meshtastic beworbene Funktion muss in der MeshCore-Version identisch umgesetzt sein. Das gilt insbesondere für zusätzliche Sensoren, spezielle Bedienfunktionen und die Positionsübertragung.

Die offizielle Anleitung ist hier verfügbar:

Seeed Studio: SenseCAP MeshTracker X1 mit MeshCore einrichten

Für welche Anwendungen eignet sich der X1?

Ich sehe den MeshTracker X1 vor allem als mobilen Node für Menschen, die MeshCore regelmäßig unterwegs nutzen möchten. Durch die kompakte Bauform und die integrierte Stromversorgung lässt er sich unkompliziert mitnehmen, ohne dass zunächst ein eigenes Gehäuse konstruiert oder ein zusätzlicher Akku angeschlossen werden muss.

Auch für praktische Netztests könnte das Gerät interessant sein. Gerade beim Aufbau regionaler MeshCore-Netze ist es wichtig, Funkverbindungen nicht nur anhand theoretischer Reichweitenberechnungen zu beurteilen, sondern unter realen Bedingungen zu überprüfen. Ein kleiner mobiler Node eignet sich gut, um an unterschiedlichen Standorten die tatsächlich vorhandene Erreichbarkeit zu untersuchen.

Wer dagegen einen dauerhaft betriebenen Repeater installieren möchte, benötigt andere Voraussetzungen. Für solche Anwendungen spielen beispielsweise eine geeignete Antenne, eine langfristig zuverlässige Energieversorgung und die Möglichkeit zur wetterfesten Montage eine wesentlich größere Rolle. Der MeshTracker X1 ist in erster Linie als tragbares Gerät entwickelt worden und nicht als fertige Solar-Repeaterstation.

Was unterscheidet ihn vom SenseCAP T1000-E?

Der bereits bekannte SenseCAP T1000-E verfolgt ein ähnliches Konzept und gehört ebenfalls zu den besonders kompakten LoRa-Geräten von Seeed Studio. Auch dieses Modell lässt sich bequem mitnehmen und ist für mobile Anwendungen konzipiert.

Beim neuen MeshTracker X1 fallen jedoch mehrere Änderungen auf. Dazu gehört insbesondere der LR2021-Funkchip, der gegenüber der älteren Hardware zusätzliche technische Möglichkeiten bietet. Hinzu kommen die Dualband-GNSS-Unterstützung, der größere Akku und das Laden über USB-C.

Auch die Schutzklasse wurde verbessert: Während der T1000-E nach IP65 geschützt ist, gibt Seeed für den MeshTracker X1 IP66 an. Beide Geräte sind damit für den Außeneinsatz vorgesehen, bieten aber unterschiedliche Eigenschaften bei der Wasserbeständigkeit.

Ob sich ein Umstieg lohnt, hängt deshalb vom jeweiligen Einsatzzweck ab. Wer bereits einen funktionierenden T1000-E besitzt und hauptsächlich Nachrichten über MeshCore austauschen möchte, benötigt nicht zwangsläufig ein neues Gerät. Wer hingegen besonderen Wert auf die neue Funkhardware, Dualband-GNSS oder den USB-C-Anschluss legt, könnte den X1 interessanter finden.

Mein erster Eindruck

Der SenseCAP MeshTracker X1 ist für mich eine der interessanteren aktuellen Entwicklungen im Bereich kompakter LoRa-Hardware. Besonders die Kombination aus nRF52840 und LR2021 dürfte für viele technisch interessierte Nutzer spannend sein. Gleichzeitig ist es erfreulich, dass Seeed nicht ausschließlich auf Meshtastic setzt, sondern auch eine eigene Dokumentation für MeshCore bereitstellt.

Ich finde es grundsätzlich positiv, wenn Hersteller ihre Geräte so entwickeln, dass unterschiedliche Open-Source-Projekte davon profitieren können. Das erleichtert den Einstieg und sorgt dafür, dass sich Nutzer nicht zwingend auf ein einzelnes Funkprojekt festlegen müssen.

Einen eigenen Praxistest mit dem MeshTracker X1 habe ich bislang nicht durchgeführt. Meine Einschätzung basiert auf den veröffentlichten technischen Informationen von Seeed Studio. Aussagen über die tatsächliche Reichweite, Akkulaufzeit und Zuverlässigkeit innerhalb eines regionalen MeshCore-Netzes werde ich deshalb nicht als eigene Messergebnisse darstellen.

Mein Fazit: Der SenseCAP MeshTracker X1 könnte besonders für mobile MeshCore-Nutzer eine interessante Alternative zu bestehenden Companion-Geräten werden. Die offizielle MeshCore-Dokumentation ist dabei ein wichtiger Vorteil. Wie gut sich der Tracker in der Praxis bewährt, werden reale Tests zeigen.

Weitere Informationen rund um MeshCore, geeignete Geräte und den Aufbau regionaler Funknetze findest du auf MeshCore Hessen. Wer Erfahrungen mit dem MeshTracker X1 austauschen oder sich mit anderen MeshCore-Nutzern aus Hessen vernetzen möchte, kann außerdem der MeshCore Hessen Telegram-Gruppe beitreten.


Weiterführende Informationen